400 Jahre Ítlinger Rathaus 1616 - 2017

Ötlinger Rathaus

1617 - 2017

 

 

Rathaus Geschichten !!!

 

Blumenstrauß statt Handschellen (SApp) ( zum Vorlesen )

Nicht im verflixten, aber im siebten Jahr ihres Ruhestandes vom Hausmeisterdienst besucht das Ehepaar Lore und Heinz Fundke das Ötlinger Rathaus – ihre 27- jährige Wirkstätte.

Es berührt sehr zu spüren, wie präsent dem Ehepaar die vielenJahre sind,

wie beiden Wehmut überkommt. Erinnert sie doch fast jeder Winkel des 400 Jahre alten Gebäudes an ihr Schaffen über die vielen Jahre hinweg.

Dazu gehört auch das Guckloch in einer Tür im ersten Stock, die zu den Räumlichkeiten der Polizei führt, die dort über viele Jahre hinweg stationiert war. Über den Kontakt zur Polizei kam das Ehepaar dazu, die Hausmeisterstelle zu übernehmen.

Wenn dann ein Polizeiauto vor dem Wohnhaus der Familie Fundke vorfuhr, wurden keine Handschellen angelegt, sondern ein Blumenstrauß zu Ehren des Geburtstagskindes Lore Fundke überreicht. Dieses Dankeschön der Staatsdiener zeigt, dass Frau Fundke mehr als nur ihre Arbeit gemacht hatte.

Es war „ihr” Rathaus und wurde von ihr bestens gepflegt.

So einige Umbaumaßnahmen im Laufe der Jahre erforderten viele Stunden zusätzlichen Einsatz. Bei allen Verpflichtungen bleibt die Erinnerung an den Vorteil, sich die Zeit verhältnismäßig frei eingeteilt haben zu können.

Wen haben die Fundkes neben der Polizei nicht noch so alles erlebt im Rathaus.

Im Erdgeschoss, wo heute das Bürgerbüro seine Geschäftsstelle hat, gab es eine Art bäuerliches Museum mit alten landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten und ein Lager, aus dem landwirtschaftliche Geräte ausgeliehen werden konnten.

Dann gab es die Freiwillige Feuerwehr, den Schachclub, dieGeschäftsstelle des TSV, das Check in und schließlich noch den neu geschaffenen Ortschaftsrat, der seit 1994 im Rathaus tagt.

Besonders schöne Erinnerungen rufen die vielen Trauungen wach, die im großen Sitzungssaal organisiert werden mussten. Raumgestaltung und Dekoration lagen Frau und Herrn Fundke immer besonders am Herzen, damit auch der Rahmen für einen solch unvergesslichen Tag beiträgt. Anfangs hatte Frau Heide Kik diese Aufgabe übernommen, dann mehr und mehr in die Hände von Frau Fundke übergeben, die lieber ein zweites Mal kam, um zu kontrollieren, ob auch wirklich wirklich alles passt.

Die Raumgestaltung für die verschiedenen Anlässe braucht auch viel Muskelkraft. so unterstützte Herr Fundke seine Frau nach und nach mehr: Tische rücken, Stühle vom zweiten in den ersten Stock tragen und umgekehrt, Getränkekisten schleppen - das ist alleine oft gar nicht zu schaffen.

Der wunderbare Blumenschmuck an den Rathausfenstern, der uns Ötlinger so erfreut, ist nicht aus Plastik und einfach so da. Nein, es braucht viel Liebe und Einfallsreichtum, um diese Pracht über viele Monate hinweg gedeihen zu lassen.

Mindestens jeden zweiten Tag muss gegossen werden: Fenster auf, eine ganze Gießkanne, Fenster zu, nächstes Fenster auf, nächste Kanne, ...

Und es gibt viele Blumenkästen vor den vielen Fenstern. Aber wie kommt man an den Pflanzkasten vor dem aufgemalten Fenster an der Ostseite im erstenStock?

Hierfür hat Herr Fundke ein Gießröhrchen-System ausgetüftelt und angefertigt, das noch heute beim Ehepaar Giordano im Einsatz ist.

Einmal wurde doch tatsächlich ein Blumenkasten ausgeplündert, alle Pflanzen waren weg. Da hat hoffentlich noch heute jemand ein schlechtes Gewissen.

Über so manche Neuerung, die erst in den letzten Jahren Einzug hielt, freut sich das ehemaliger Hausmeisterpaar. Zum Beispiel über dieSpülmaschine in der kleinen Küche, die es zu ihrer Zeit noch nicht gab. Nach den Veranstaltungen musste dann entschieden werden, welcher Einsatz zeitsparender ist: der Transport zur

Fundke-Spülmaschine oder Hand anlegen in der Miniküche des Rathauses?

Hand angelegt werden muss ja oft. Da ist der jährliche Großputz, der verlangt vollen Einsatz: Die Holzböden müssen gebohnert werden, die vielen vielen Fenster in den drei Etagen geputzt, unzählige Vorhänge gewaschen und wieder aufgehängt werden.

Kleinere Reparaturen hatte der Ehemann immer gerne übernommen.

Als Vertretungskraft in den Urlaubszeiten und ab und an auch mal zur Unterstützung konnte Frau Fundke ihre Tochter Silke Feuchter einbinden.

Alles hat seine Zeit.

Nun genießen Lore und Heinz Fundke ihren Ruhestand und erinnern sich mit viel Freude an ihre Zeit im Rathaus.

Quelle: Ötlinger Nachrichten

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